Donnerstag, 19. Oktober 2017  
Aus der Geschichte des SV Burgsteinfurt 1903/1910 e. V.


Den Namen "Sportverein Burgsteinfurt 1903/1910 e. V." hat der z. Z. rund 1200 Mitglieder umfassende Verein zwar erst seit 1. Juli 1998, aber seine Geschichte beginnt bereits am Anfang des 20. Jahrhunderts.

Im Jahre 1903 nämlich wurde der Aloysiusverein, der Ursprungsverein von DJK Rasensport Burgsteinfurt, gegründet; sieben Jahre danach der SV Union, der Ursprungsverein der SpVg. Schwarz-Gelb Burgsteinfurt. Diese beiden Vereine, DJK Rasensport und SpVg. Schwarz-Gelb, schlossen sich im Jahre 1998 zum heutigen SV Burgsteinfurt zusammen.

Sport gehörte von Anfang an ins Vereinsprogramm des Aloysiusvereins, einer jungen, selbständigen Untergruppe des damals bereits bestehenden Gesellenvereins, des Vorläufers der heutigen Kolpingfamilie. Aufgrund der Begleiterscheinungen des Ersten Weltkriegs ruhten allerdings bis 1918 die sportlichen Aktivitäten. Noch vor Beginn des Krieges, nämlich am 19. Februar 1910, wurde in Burgsteinfurt ein "reiner" Fußballverein gegründet, der SV Union. Die Vereinsfarben waren Schwarz und Gelb. Auch bei Union hinterließ der Erste Weltkrieg gravierende Folgen; der Spielbetrieb musste eingestellt werden.
Auftrieb erhielten beide Vereine wieder nach dem Ende des Ersten Weltkriegs. Rasensport schloss sich im Jahre 1922 der "Deutschen Jugendkraft" an. Neben einer Handballmannschaft, die sich auch überkreislich schnell einen Namen gemacht hatte, sollte sich bei DJK Rasensport auch eine Fußballmannschaft etablieren. Im Fußball hatte sich der SV Union in der Zwischenzeit schon in struktureller, organisatorischer und leistungsmäßiger Hinsicht einen Vorsprung erarbeitet. SV Union Burgsteinfurt gehörte neben Vorwärts Gronau, Borussia Rheine und Tubantia Rheine zu den Pionieren des Verbandes im hiesigen Raum. Der Fußballbetrieb bei DJK Rasensport dauerte wie auch die anderen Vereinsaktivitäten nur ein Jahr. Denn am 1.7.1933 erfolgte die Beschlagnahme der Vereinsakten der kirchlichen Jugendvereine. Die Nationalsozialisten ließen den DJK-Sportplatz auf dem Gelände des Landwirts Schulze Veltrup umpflügen. Die sportlichen Aktivitäten hatten ein Ende, zumal bald danach in Deutschland ein Betätigungsverbot für DJK-Vereine erlassen wurde.
Vergleichsweise weniger hart und erst einige Jahre später wurde Union Burgsteinfurt durch Maßnahmen des politischen Systems in Mitleidenschaft gezogen, nämlich durch den zwangsweisen Zusammenschluss der Burgsteinfurter Sportvereine "Turnerbund", "Sportfreunde" und "Union" zum VfL Burgsteinfurt im Jahre 1938. Dieser Verein existierte aber nur ein Jahr. Die Einberufung zahlreicher Mitglieder zur Wehrmacht hatte den Sportbetrieb der Erwachsenen praktisch lahmgelegt, und die sportliche Betätigung der Jugendlichen fand in nationalsozialistischen Organisationen statt.

Schon wenige Monate nach Ende des Zweiten Weltkriegs, nämlich am 6. November 1945, erhielt der SV Union von der britischen Militärregierung die Genehmigung zur Wiederaufnahme des Sportbetriebs. Die ersten Fußballspiele wurden gegen britische Soldatenmannschaften ausgetragen. Die Handballabteilung des Turnerbundes Burgsteinfurt spielte eine Zeitlang in den Farben von Union; denn der Turnerbund erhielt erst später die Genehmigung, wieder aktiv zu werden.
Eine Konzentration der Kräfte und damit eine noch stärkere Leistungsfähigkeit versprach man sich durch die Fusion der beiden Burgsteinfurter Vereine SV Union 1910 und FC Sportfreunde 1928 zur "Sportvereinigung Schwarz-Gelb 1910 e. V." im Jahre 1952.

Wenige Jahre zuvor, am 16.10.1959, war von einer Gruppe engagierter Fußballinteressenten die Wiedergründung des 1934 zwangsweise aufgelösten Vereins DJK Rasensport beschlossen worden. Anfangsschwierigkeiten wurden durch Eigeninitiative und ehrenamtlichen Einsatz von Vorstand und Mitgliedern schnell behoben, so dass sich bald ein starker Verein entwickelte, der neben Fußball auch andere Sportarten anbot, z. B. Badminton und Leichtathletik, und außerdem Breitensport- und Jedermannabteilungen für alle Altersklassen unterhielt.

Bei Schwarz-Gelb bahnte sich Ende der 1970-er Jahre in mehrfacher Hinsicht eine Aufwärtsentwicklung im Verein an. Die Schachabteilung sollte nicht länger einzige Nicht-Fußball-Sparte bleiben. 1978 wurde eine Jedermannabteilung eingerichtet, 1980 eine Badmintonabteilung. Leichtathletik wurde ebenfalls wieder aktiv im Verein betrieben, Leichtathletikveranstaltungen wurden zwischen 1965 und 1975 unter Beteiligung benachbarter und auch holländischer Vereine im Baumgartenstadion durchgeführt.

Die Überlegungen, die beiden Burgsteinfurter Vereine, in denen Fußball eine bedeutende Rolle spielte, zu einem zusammenzufügen, hatten schon in Vorjahren oft für Gesprächsstoff gesorgt. Sie nahmen Mitte der 1990-er Jahre konkrete Formen an und wurden in erster Linie vor dem Hintergrund diskutiert, dass in den Jugendabteilungen beider Vereine aus Mangel an Nachwuchs nicht mehr jede Altersklasse im erforderlichen Umfang besetzt werden konnte. Zudem erhoffte man sich aus der Konzentration der Kräfte eine Leistungssteigerung in allen Bereichen und Abteilungen bis hin zur Stärkung des Ehrenamtes, für das eine Zusammenführung der beiden Vereine ein Motivationsschub bedeuten könnte. Im Sommer 1998 war die Verschmelzung von Schwarz-Gelb und DJK Rasensport zum Sportverein Burgsteinfurt 1903/1910 e. V. vollendet.

Gerhard Rühlow